Masterarbeit-Große Braunviehkühe gleich effizient wie kleine
Braunvieh-Kühe werden bei der Linearen Beurteilung (LBE) gestraft, wenn sie groß sind. Große Braunviehkühe sind allerdings nicht weniger effizient als kleine, das konnte in einer Masterarbeit aufgezeigt werden.
Die Effizienz wird allgemein definiert als das Verhältnis zwischen Output und Input. Bezogen auf die Milchkühe ist der Output die Energie der produzierten Milch und der Input die investierte Fütterungsenergie. Der Energiebedarf einer Milchkuh setzt sich zusammen aus dem Erhaltungsbedarf, den das Tier für die Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen benötigt, und dem Energiebedarf für die Leistung, die es erbringt.
Um den Erhaltungsbedarf zu schätzen, muss also das Körpergewicht des Tieres bekannt sein. Aus diesem Grund wurden im Rahmen einer Masterarbeit an der ETH Zürich 313 erstlaktierende Kühe gewogen und mithilfe der LBE-Merkmale eine Schätzgleichung für das Körpergewicht aufgestellt.
Zwischen dem Körpergewicht und der Milchleistung, Kilo Fett und Eiweiß, gibt es einen starken positiven Zusammenhang, dasselbe gilt für die Widerristhöhe. Eine schwere oder große Kuh leistet also mehr als eine leichte, kleine. Aber sie muss auch mehr Futterenergie zu sich nehmen, um ihren höheren Erhaltungsbedarf zu decken. Diese Studie konnte zeigen, dass sich diese Effekte ausgleichen und die große, schwere Kuh somit gleich effizient ist wie die kleine, leichte.
Die Beziehung zwischen Widerristhöhe und Effizienz ist sogar leicht positiv, wenn auch nicht signifikant. Die Begrenzung der Widerristhöhe im Zuchtziel des Schweizer Braunvieh-Zuchtverbandes liegt momentan bei 138 bis 150 cm.
Markus Harder zitierte im Rahmen seines Vortrages “Exterieur und Wirtschaftlichkeit” während der 8. Weltkonferenz der Braunviehzüchter (2008) Les Hansen und George Max von der Universität Minnesota. Sie hätten bei einer Langzeitstudie an Holstein-Kühen festgestellt, dass die Nutzungsdauer unter gleichen Managementbedingungen bei großen Tieren geringer ausfiel als bei kleinen. Allerdings muss hier beachtet werden, dass die großen Tiere vermutlich keine an ihre Größe angepassten Stallplätze zur Verfügung hatten. Ein Vergleich zwischen den beiden Gruppen bei größenabhängigen Stallplätzen wäre sicherlich interessant gewesen.
Zu einem andern Schluss als die von Harder zitierten Quellen aus Amerika kam Beat Bapst (Schweizer Braunvieh, 2008). Er zeigte beim Schweizer Braunvieh im Bereich 134 bis 146 cm eine Zunahme der Nutzungsdauer und der Milchleistung mit zunehmender Körpergröße auf. Tiere, die größer als 146 cm waren, hatten keine signifikant tiefere Nutzungsdauer als kleinere. Würde man in die Effizienz noch die Bau- und Arbeitskosten einberechnen, so ist es gut möglich, dass die größere Kuh als die effizientere abschneidet. Es braucht weniger Tiere und somit auch weniger Stallfläche und Arbeitszeit, um dieselbe Milchmenge zu produzieren wie mit kleinen Kühen.
Natürlich können große Kühe auch gewisse Nachteile bringen, vor allem wenn die baulichen Bedingungen bereits gegeben sind (z.B. ältere Ställe auf Alpen). Eine Freistellung des Zuchtziels in Bezug auf die Körpergröße und somit die Abschaffung des Abzugs bei der LBE ab 150 cm Widerristhöhe würde jedem Landwirt die Freiheit geben, den Zuchtentscheid auf die Gegebenheiten seines Betriebes anzupassen. Zudem könnte das Problem der Inkonsequenz an Viehschauen, an denen Kühe über 150 cm bei ansonsten gleicher Qualität durch den Richter bevorzugt werden, entschärft werden.
Quelle: Schweizer Bauer




