BH2-Test nutzen, um Risikopaarungen zu vermeiden

BH2-Test nutzen, um Risikopaarungen zu vermeiden

Die modernen Labor- und Statistikmethoden der genomischen Selektion erlauben seit einigen Jahren, die Zuchtwerte bereits bei jungen Kälbern genauer vorher zu sagen. Die wertvollen Daten werden für weitere Anwendungen genutzt.

Bereits vor zwei Jahren fanden amerikanische Forscher heraus, dass es Gen- oder Haplotypenkombinationen gibt, die nicht reinerbig (homozygot) vorkommen. Die plausibelste Erklärung hierfür ist, dass Tiere, welche diese Kombinationen reinerbig haben, nicht überlebensfähig sind. Die amerikanischen Forscher publizierten damals Zusammenhänge zwischen solchen Haplotypen und Fruchtbarkeitsmerkmalen bei mehreren Rassen.
Ein solches Phänomen wurde nun auch beim Braunvieh beschrieben: Tiere, die den Haplotyp BH2 reinerbig tragen, werden tot geboren oder gehen kurz nach der Geburt ab. Mit dem SNP-Test BH2 steht nun ein Werkzeug zur Verfügung, um die Totgeburtenrate (oder Frühabgangsrate zu senken.

 

Braunvieh Österreich plant in diesem Zusammenhang:

  1. Sämtliche Trägerstiere werden mit dem Kürzel BH2 (BH2 steht für Brown-Swiss Haplotyp 2) gekennzeichnet und die Trägerliste im Internet veröffentlicht. Damit erhalten die Züchter die Informationen, um Risikopaarungen zu vermeiden. Darunter verstehen wir Anpaarungen mit BH2-Trägerstieren auf Kühe mit einem BH2-Vater. Aufgrund der Vererbung sind bei Risikopaarungen 12.5% der Kälber reinerbig und damit nicht überlebensfähig.
  2.  Schliesslich wird vom Tiroler Braunviehzuchtverband und von Braunvieh Schweiz Massnahmen unterstützen, um im Bereich Diagnostik und Beschreibung des Haplotyps BH2 weitere Erkenntnisse zu gewinnen. In den kommenden Monaten stehen zahlreiche Geburten aus Risikopaarungen an. Wir werden solche Betriebe kontaktieren, um die Kälber aus Risikopaarungen typisieren zu können. Dank dieser Massnahme wird es möglich sein, das Phänomen BH2 weiter aufzuschlüsseln und einen direkten Gentest zu entwickeln.
  3. Weitere Beschlüsse werden in den jeweiligen Arbeitsgemeinschaften abgestimmt.


Die Massnahmen wurden international koordiniert. Wir gehen davon aus, dass in Zukunft beim Braunvieh aber auch bei anderen Rassen weitere ähnliche Phänomene gefunden werden.

 

Lucas Casanova/Braunvieh Schweiz

Reinhard Winkler /ARGE-BV

Georg Röhrmoser/ASR

 


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